Leben – Tod – Reinkarnation

Gerade in Zeiten der Verunsicherung boomen Angebote, welche Kontakte mit Verstorbenen versprechen. Dieser Beitrag befasst sich mit der kritischen Einstellung gegenüber Medialität, Channeling sowie Spiritismus aus der Sicht des Integralen Yoga von Sri Aurobindo.
In diesem Beitrag soll aufgezeigt werden, was das Jenseits aus der Sicht des Integralen Yoga ist. Sri Aurobindo hat in seinen Schriften skizziert, was im und nach dem Tod geschieht. Einige Textstellen werden hier wiedergegeben.

Ausschlaggebend für die Veröffentlichung dieses Blogs war ein Beitrag in der Zeitschrift Yoga – Das Magazin (4/2020) mit dem Titel ,Medialität – Botschaften aus dem Jenseits‘, wovon ich hier folgende einführende Worte wiedergebe:

„Medialität ist salonfähig geworden. Menschen, die mit Toten in Kontakt treten können und den Hinterbliebenen Botschaften übermitteln, in Trance heilen oder Wesen aus einer anderen Welt channeln, sind beliebt. Die Buchhandlungen sind gut bestückt mit Büchern zum Thema. Auf Youtube finden sich jede Menge Videos und es gibt unzählige mediale Aus- und Weiterbildungen.“

In diesem Beitrag möchte ich einige Textstellen aus den Werken von Sri Aurobindo wiedergeben, welche sich gegenüber Medialität und Spiritismus kritisch widmen und aufzeigen, was das Jenseits ist und was nach dem Tod mit den menschlichen Bestandteilen (Physis, Vital, Mental und seelisches Wesen) geschieht.

Zunächst einige erste Bemerkungen von Sri Aurobindo zum Thema Medialität und Spiritismus:

Sri Aurobindo schreibt in ,Briefe über den Yoga‘, Band 2 (ISBN 81-7058-145-1), Seiten 85-87:

„Die Seele gibt die mentalen und anderen Hüllen (außer der physischen) nicht unmittelbar beim Tod auf. Man sagt, dass es im ganzen drei Jahre dauert, sich von der Verbindungszone mit der Erde zu lösen – es kann aber Fälle eines langsameren oder schnelleren Durchganges geben. Die seelische Welt ist nicht mit der Erde verbunden – jedenfalls nicht auf diese Weise. Und der Geist, der bei Séancen auftaucht, ist nicht das seelische Wesen. Was durch das Medium in Erscheinung tritt, ist ein Gemisch, das aus dem Unterbewusstsein des Mediums und dem der Séance-Teilnehmer stammt (ich gebrauche “unterbewusst” hier im gewöhnlichen, nicht im yogischen Sinn) – es können vitale Hüllen sein, die von den Verstorbenen zurückgelassen und unter Umständen von einem Geist oder vitalen Wesen benutzt werden; es kann auch der Verstorbene selbst in seiner vitalen Hülle sein, oder aber etwas, das für diese Gelegenheit übernommen wurde (es ist jedoch der vitale Teil, der die Verbindung herstellt), es können Elementargeister, also Geister der niedrigsten vital-physischen Welt nahe der Erde sein usw. usw. Meist ein furchtbares Durcheinander – ein Mischmasch aller Arten von Dingen, die durch eine Vermittlungszone aus “astralem” Graulicht und Schatten kommen. Viele dieser “Vermittler” scheinen Menschen zu sein, die gerade in die feinstoffliche Welt eingetreten sind, wo sie sich von einer verbesserten Ausgabe des Erdenlebens umgeben fühlen und glauben, dass dies die wirkliche und endgültige andere Welt nach der Erde sei – tatsächlich jedoch ist es nur eine Verlängerung der Ideen, Bilder und Assoziationen der menschlichen Ebene. Es ist die nächste Welt, wie sie von spiritistischen “Führern” und anderen Séance-Vermittlern dargestellt wird.“

„Das alles besitzt keine allzu große Glaubwürdigkeit (Mitteilungen von spiritistischen Führern). Wenn man es näher betrachtet, sieht man, dass diese ihren Anhängern nur das vorschlagen, was bereits im Mental der Séance-Teilnehmer vorhanden ist, und sehr wenig kommt dabei heraus. Natürlich gibt es Einflüsse aus anderen Welten, und zwar jede Menge, die innere Führung jedoch ist nicht von dieser Art – außer in sehr seltenen Fällen.“

„Automatisches Schreiben und spiritistische Séancen sind eine sehr fragwürdige Angelegenheit. Ein Teil stammt aus dem unterbewussten Mental des Mediums, ein anderer Teil aus dem der Séance-Teilnehmer. Man darf jedoch nicht alles einer aufgebauschten Phantasie und Erinnerung zuschreiben. Manchmal gibt es Dinge, die keiner der Anwesenden wissen oder erinnern kann, manchmal sogar, obwohl selten, flüchtige Ausblicke in die Zukunft. Meist jedoch bringen einen diese Sitzungen mit einer sehr niedrigen Welt von vitalen Wesen und Kräften in Verbindung, die dunkel, widerspruchsvoll und schlau sind – es ist gefährlich, mit ihnen Umgang zu pflegen oder sich irgendeinem Einfluss preiszugeben.“

Universalität und Individualität

Die allermeisten Menschen sind sich nicht bewusst, dass sie in Abhängigkeit von universalen oder kosmischen Kräften und Bewusstseinsebenen leben. Sie denken, sie sind eigenständige Individuen. Die im Blogbeitrag ,Teile und Ebenen des Seins’ aufgezeigten Seins- und Bewusstseinsebenen erklären die individuellen Ebenen, wie Physis, Vital und Mental. Diese individuellen Schichten sind aber Reflektionen der universalen Ebenen, wie universale Materie, universales Vital und universales Mental.

Je nach der ,eingestellten Frequenz’ der Lebensschwingungen ist eine Verbindung zu den entsprechenden universalen Seinsebenen vorhanden. Jedes Individuum hat zudem ein sog. umhüllendes oder environmentales Bewusstsein, wie Sri Aurobindo es nennt, welches das Gefühl der Individualität und Eigenständigkeit gibt.

Sri Aurobindo ,Briefe über den Yoga‘, Band 1 (ISBN 81-7058-111-7), Seiten 325-331:

„Das Individuum ist nicht auf den physischen Körper begrenzt – nur das äußere Bewusstsein empfindet dies so. Sobald man über dieses Gefühl der Begrenzung hinwegkommt, kann man zuerst das innere Bewusstsein fühlen, das mit dem Körper verbunden ist, jedoch nicht zu ihm gehört, dann die Bewusstseins-Ebenen über dem Körper und auch ein den Körper umhüllendes Bewusstsein, das aber Teil von einem selbst, Teil des individuellen Wesens ist: durch dieses ist man in Kontakt mit den kosmischen Kräften und anderen Wesenheiten. Dieses letztere nannte ich das umhüllende (environmental) Bewusstsein.“

„Das kosmische Bewusstsein ist das Bewusstsein des Universums, des kosmischen Spirits und der kosmischen Natur mit allen Wesen und Kräften in ihr. All das ist als Ganzes so bewusst wie das Individuum für sich, doch auf andere Weise. Das Bewusstsein der Individualität ist zwar ein Teil davon, doch ein Teil, der sich als getrenntes Wesen empfindet. Dennoch kommt das meiste dessen, was die Individualität ausmacht, vom kosmischen Bewusstsein. Dazwischen aber befindet sich eine Mauer trennender Unwissenheit. Sobald diese niederbricht, wird sich das Individuum des kosmischen Selbstes bewusst, des Bewusstseins der kosmischen Natur, der Kräfte, die in ihr spielen, usw. All dies nimmt es so wahr, wie es jetzt physische Dinge und Einflüsse wahrnimmt. Es erkennt, dass alles mit seinem größeren oder universalen Selbst eins ist.
Es gibt das universale Mental, das universale Vital, die universale physische Natur, und aus ihren verschiedenen Kräften und Bewegungen wird das individuelle Mental, das individuelle Vital und Physische geformt. Die Seele aber kommt von jenseits dieser Mental-, Lebens– und Körpernatur. Sie gehört der Transzendenz an, und mit ihrer Hilfe können wir uns der höheren Natur über uns öffnen.“

„Das ganze Leben ist ein Spiel universaler Kräfte. Die Individualität gibt diesen universalen Kräften eine persönliche Form. Doch kann sie wählen, ob sie auf das Wirken einer bestimmten Kraft reagiert oder nicht. Nur wählen die meisten Menschen nicht wirklich – sie geben sich vielmehr dem Spiel der Kräfte hin. …..  Nur wenn man sich von ihnen zu befreien vermag, kann man die wahre Person sein und ein wahres Leben fühlen – doch wirklich frei ist man erst dann, wenn man im Göttlichen lebt.“

Auszug aus Sri Aurobindo oder das Abenteuer des Bewusstseins, Seiten 62-63, von Satprem:
(ISBN 978-3-87348-166-4, deutsche Übersetzung Cay Hehner)
Die universelle Natur, sagt Sri Aurobindo, legt bestimmte Gewohnheiten an innerer Bewegung, an Persönlichkeit, an Charakter, an Fähigkeiten, Anlagen und Neigungen in uns an, und das bezeichnen wir dann als uns selbst. Und wir können nicht einmal sagen, dass dieses ‚Selbst‘ tatsächlich feststeht: Der Schein von Stabilität entsteht durch eine andauernde Wiederholung und das ständige Wiederauftreten derselben Schwingungen und Formationen, denn es ist immer die gleiche Wellenlänge, die wir auffangen. Oder besser, die sich an uns hängt, gemäß den Bedingungen unserer Umwelt und Erziehung; Es sind immer die gleichen mentalen, vitalen oder sonstigen Schwingungen, die sich durch unsere Bewusstseinszentren fortsetzen und die wir uns unwillkürlich, unbewusst und unaufhörlich zu eigen machen. Real ist alles im Zustand ständigen Flusses, alles überträgt sich aus einem Mental auf uns, das weiter und universeller ist als das unsrige, aus einem Vital weiter und universeller als das unsrige oder aus weiter herabreichenden, unterbewussten Regionen oder aus höheren überbewussten Bereichen. Das bedeutet, die kleine Oberflächenperson ist umgeben, überschattet, getragen, durchdrungen und bewegt durch eine ganze Hierarchie von ‚Welten‘, die von den altüberlieferten Weisheiten sehr wohl erkannt wurden – ‚Ohne Mühe bewegt sich eine Welt in der anderen,‘ heißt es im Rig-Veda (II,24.5) – oder wie Sri Aurobindo sich ausdrückt, durch eine Stufenfolge von Bewusstseinsebenen, die sich ohne Unterbrechung vom reinen Geist zur Materie erstrecken und die alle unmittelbar mit unseren Bewusstseinszentren verbunden sind. Dabei sind wir uns nicht weiterem bewusst als einiger Blasen an der Oberfläche.
Was bleibt in all dem von uns übrig? Nicht sonderlich viel, um die Wahrheit zu sagen – oder alles, je nach der Bewusstseinsebene, von der wir ausgehen.“

Tod und Reinkarnation

Was passiert im Tod? Was und wo ist das Jenseits? Was ist Reinkarnation? Dies sind alles Fragen, welche sich mit dem Mental nicht beantworten lassen. Nur mit einer vollumfänglichen, göttlichen Schau, so wie es die Rishis (Seher) hatten/haben, können diese Fragen beantwortet werden. Sri Aurobindo ist ein Rishi der Neuzeit. Er hat in seinen Werken sehr umfassend über diese Themen geschrieben. Unten stehend werden deshalb einige Textstellen von Sri Aurobindo zum Thema Tod und Wiedergeburt angeführt.

Auszug aus Sri Aurobindo oder das Abenteuer des Bewusstseins, Seite 100, von Satprem:
(ISBN 978-3-87348-166-4, deutsche Übersetzung Cay Hehner)
„Die wirkliche Bedeutung von Wiedergeburt ist sowohl tiefgehender als auch umfassender. Zum Zeitpunkt des Todes löst sich die ganze Fassade auf, die Summe aller mentalen Schwingungen, die sich durch ihre ständige Wiederholung um uns angesammelt haben und die unser mentales Ego oder unseren Mentalkörper ausmachen, löst sich auf und geht wieder in das universelle Mental ein. Auf die gleiche Weise lösen sich die vitalen Vibrationen, die unser vitales Ego oder unseren Vitalkörper ausmachen, auf und kehren zurück in das universelle Vital, so wie sich auch der physische Körper in seine natürlichen Bestandteile in der universellen Materie auflöst. Allein das Psychische (Anmerkung: das psychische oder seelische Wesen) bleibt. Wie wir gesehen haben ist es ewig.“

Das nebenstehende Bild zeigt, wie sich die individuellen Bestandteile des Menschen nach dem Tod in den universalen Ebenen auflösen.
Nur das seelische oder psychische Wesen ist ewig und kehrt bis zur nächsten Inkarnation in die seelische Welt zurück.

Auszüge aus ,Briefe über den Yoga‘, Band 2 (ISBN 81-7058-145-1), Seiten 55 – 84, von Sri Aurobindo:

„Jedes Mal wenn die Seele in eine Geburt eintritt, wird ein Mental, Leben und Körper aus den Substanzen der universalen Natur geformt, die der vergangenen Evolution der Seele sowie ihrem Erfordernis für die Zukunft entsprechen.
Sobald der Körper sich auflöst, wandert das Vital zur vitalen Ebene, um dort eine Zeitlang zu bleiben, dann fällt die vitale Hülle ab. Schließlich zieht sich die Seele oder das seelische Wesen in die seelische Welt zurück, um dort zu ruhen, bis eine neue Geburt naht.
Das ist der allgemeine Verlauf für ein normal entwickeltes menschliches Wesen. Es gibt jedoch Abweichungen, die der individuellen Natur und ihrer Entwicklungsstufe entsprechen. So kann zum Beispiel das mentale Wesen, wenn das Mental stark entwickelt ist, [bei der Seele] bleiben und ebenso das Vital, vorausgesetzt sie sind um das wahre seelische Wesen geordnet und um dieses zentriert – sie teilen dann die Unsterblichkeit der Seele.
Die Seele sammelt die essentiellen Elemente ihrer Erfahrungen im Leben und macht sie zur Grundlage ihres Wachsens in der Evolution; sobald sie in das Leben zurückkehrt, nimmt sie mit ihren mentalen, vitalen und physischen Hüllen so viel karma auf, wie sie im neuen Leben zur weiteren Erfahrung braucht.“

„Die Seele, nachdem sie den Körper verlassen und bestimmte Erfahrungen in anderen Welten gesammelt hat, wirft ihre vitalen und mentalen Persönlichkeiten ab und tritt in einen Ruhezustand ein, um die Essenz ihrer Vergangenheit zu assimilieren und sich für ein neues Leben vorzubereiten. Diese Vorbereitung bestimmt die Umstände der neuen Geburt und leitet die Seele bei ihrer Wiederherstellung einer neuen Persönlichkeit und der Wahl ihrer Substanzen.
Die abgeschiedene Seele bewahrt die Erinnerung ihrer vergangenen Erfahrungen nur in der Essenz, nicht aber in Form von Einzelheiten. Nur wenn die Seele eine vergangene Persönlichkeit oder verschiedene vergangene Persönlichkeiten zurückbringt und als einen Teil in ihre gegenwärtige Manifestation mit einbezieht, ist es wahrscheinlich, dass man sich der Einzelheiten des vergangenen Lebens erinnert. Andernfalls kann man allein durch yogadṛṣṭi [die yogische Schau] zu einer Erinnerung kommen.“

„Die Seele durchwandert nach dem Verlassen des Körpers verschiedene Zustände oder Ebenen, bis das seelische Wesen seine zeitweiligen Hüllen abgeworfen hat; darauf erreicht sie die seelische Welt, wo sie in einer Art Schlaf ruht, bis sie für die Wiedergeburt bereit ist. Das, was sie von der menschlichen Erfahrung bewahrt, ist letzten Endes nichts als die Essenz all dessen, was sie erlebte und für ihre Entwicklung braucht. Dies ist die allgemeine Regel, die aber nicht für Ausnahmefälle oder für sehr entwickelte Wesen gilt, die ein größeres Bewusstsein als das der gewöhnlichen menschlichen Ebene erreicht haben.“

„Nach dem Tode durchwandert man die vitale Welt und lebt dort eine gewisse Zeit. Nur der erste Teil dieses Durchgangs ist möglicherweise gefährlich oder schmerzhaft; im übrigen Teil arbeitet man in einer bestimmten Umgebung die Reste vitaler Wünsche und Instinkte des Körpers aus. Sobald man ihrer überdrüssig und fähig ist weiterzugehen, wird die vitale Hülle abgestreift und die Seele tritt nach einer bestimmten Zeit, die nötig ist, sich von einigen mentalen Überresten zu befreien, in einen Zustand der Ruhe in der seelischen Welt ein, wo sie bis zum nächsten Erdenleben bleibt.
Man kann der dahingegangenen Seele durch seinen guten Willen helfen oder durch okkulte Mittel, sofern man über das Wissen verfügt. Das einzige, was man nicht tun sollte, ist, sie durch Kummer oder Sehnsucht zurückzuhalten oder durch irgendetwas, das sie näher an die Erde ziehen oder die Reise zu ihrem Ruheort verzögern würde.“

„Es ist notwendig, den Unterschied zwischen der sich entfaltenden Seele (dem seelischen Wesen) und dem reinen Ātman, dem Selbst oder Spirit klar zu verstehen. Das reine Selbst ist ungeboren, es durchläuft weder Tod noch Geburt und ist unabhängig von Geburt oder Körper, von Mental, Leben oder dieser manifestierten Natur. Es wird durch diese Dinge weder gebunden noch eingeschränkt, noch beeinträchtigt, obwohl es sie annimmt und stützt. Im Gegensatz hierzu ist die Seele etwas, das in die Geburt herabkommt und den Tod durchläuft – obwohl sie selbst nicht stirbt, da sie unsterblich ist – und von einem Zustand zum anderen, von der Erdebene zu anderen Ebenen und wieder zurück zum Erdendasein wandert. Sie schreitet von Leben zu Leben durch eine Evolution fort, die sie zum menschlichen Zustand emporführt und entfaltet in all dem ein Wesen ihrer selbst, das wir das seelische Wesen nennen, welches die Evolution stützt; sie entwickelt ein physisches, vitales und mentales menschliches Bewusstsein als ihre Instrumente der Welterfahrung und eines verhüllten, unvollständigen, doch wachsenden Selbstausdrucks.“

„Das seelische Wesen steht hinter dem Mental, Leben und Körper und stützt sie; die seelische Welt ist nicht eine Welt in der Rangordnung der mentalen, vitalen oder physischen Welten, sondern steht hinter diesen allen, und die sich hier entwickelnde Seele kehrt dorthin für die Zeit zwischen zwei Leben zurück.“

„Es gibt keine feststehende Regel dafür, in welchem Stadium die Seele zur Wiedergeburt in einen neuen Körper eintritt, denn die Umstände ändern sich mit dem einzelnen Individuum. Es gibt seelische Wesen, die vom Zeitpunkt der Empfängnis an Beziehung mit der Umgebung bei der Geburt und den Eltern aufnehmen und die Entwicklung der Persönlichkeit und Zukunft bereits im Embryo vorbereiten; andere treten [in den Körper] erst zum Zeitpunkt der Geburt ein, andere noch später im Leben – in diesen Fällen hält eine Emanation des seelischen Wesens das Leben aufrecht. Man sollte wissen, dass die Voraussetzungen des künftigen Lebens grundsätzlich nicht während des Aufenthaltes in der seelischen Welt determiniert werden, sondern zum Zeitpunkt des Todes; das seelische Wesen wählt dann, was es im nächsten Erdenleben ausarbeiten wird, und dementsprechend gestalten sich die Voraussetzungen.“

„Das seelische Wesen wählt im Augenblick des Todes, was es im nächsten Leben ausarbeiten will, und bestimmt den Charakter und die Voraussetzungen der neuen Persönlichkeit. Der Sinn des Lebens besteht in dem evolutionären Wachsen durch Erfahrung unter den Bedingungen der Unwissenheit, bis man für das höhere Licht bereit ist.“

„Die Wahl des seelischen Wesens zur Zeit des Todes arbeitet die nächste Gestaltung der Persönlichkeit nicht aus, sondern fixiert sie. Sobald es die seelische Welt betritt, beginnt es, die Essenz seiner Erfahrungen zu assimilieren, und mit Hilfe dieser Assimilierung wird dann die künftige seelische Persönlichkeit in Übereinstimmung mit der bereits vollzogenen Fixierung geformt. Wenn dieser Vorgang beendet ist, ist das seelische Wesen für eine neue Geburt bereit; weniger entwickelte [seelische] Wesen arbeiten die ganze Sache nicht für sich selbst aus, sondern diese Arbeit fällt den Wesen und Kräften der höheren Welt zu.“

„Nicht die Persönlichkeit, sondern der Charakter ist bei der Wiedergeburt von vordringlicher Wichtigkeit – das seelische Wesen ist es, das hinter der Evolution der menschlichen Natur steht und sich mit ihr entfaltet. Die Seele, sobald sie sich vom Körper löst und das Mental und Vital auf dem Weg zu ihrem Ruheplatz zurücklässt, bewahrt den Kern der Erfahrungen – nicht die physischen Ereignisse, nicht die vitalen Bewegungen, nicht den mentalen Aufbau, nicht die Fähigkeiten oder Charaktere, sondern etwas Wesentliches, das sie aus ihnen bezieht, etwas, das man das göttliche Element nennen könnte, um dessentwillen das übrige bestand.“

„Das Unterbewusste wird für dieses eine Leben geformt und wird von der Seele nicht von einem Leben zum anderen mitgenommen. …..
Nein, das Unterbewusste ist das Instrument des physischen Lebens und verschwindet nach dem Tod. Es fehlt ihm der nötige Zusammenhang, um ein geordnetes, anhaltendes Dasein zu besitzen.“

„Den vergangenen Leben sollte man keine zu große Bedeutung beimessen. Für den Zweck dieses Yoga ist man das, was man ist und darüber hinaus, was man sein will. Was man war, ist Nebensache.“

„Aus vergangenen Leben werden hauptsächlich die Natur der Persönlichkeit und die Ergebnisse der Lebenserfahrung bewahrt. Namen, Ereignisse, physische Einzelheiten werden nur unter außergewöhnlichen Umständen erinnert und sind von durchaus untergeordneter Bedeutung. Wenn die Menschen versuchen, sich solcher äußeren Dinge zu erinnern, geschieht es meist, indem sie viele romantische Vorstellungen in sich erstehen lassen, die nicht stimmen.“

Das nebenstehende Bild erklärt, wie die Seele bei der Geburt inkarniert und wie die individuellen Bestandteile des Menschen (Körper, Vital und Mental) aus den Substanzen der universalen Natur gebildet werden, die der vergangenen Evolution der Seele sowie ihrem Erfordernis für die Zukunft entsprechen.

Abschliessende Bemerkungen von Sri Aurobindo über Medialität und Spiritismus:

,Abendgespräche mit Sri Aurobindo’, Seite 60:
„Was im Allgemeinen in solchen Fällen passiert, ist das Folgende: Der Geist sagt genau jene Sache, die im unterbewussten Teil des Mediums vorhanden ist. Der Geist, der kommuniziert, weiß darum und gibt es bekannt, oder wenn einer der Teilnehmer an der spiritistischen Sitzung irgendeinen Gedanken in seinem unterbewussten oder bewussten Wesen hat, gibt ihn der Geist bekannt.
Natürlich können Geister durch Medien selbstständig wirken, oder jene, die gestorben sind, oder auch Lebende können durch sie kommunizieren. Aber in jenem Fall muss das Medium sehr mächtig und rein sein. ….
Dem Medium sollte gesagt werden, dass es sehr gefährlich für ihn ist, sich ohne richtiges Wissen auf diese Geisterwelt einzulassen. Es ist speziell gefährlich für Leute, die selbst nicht stark sind.“

,Abendgespräche mit Sri Aurobindo’, Seite 464:
„Im Allgemeinen kommt kein Geist von außen. Der Wille des Mediums und der teilnehmenden Personen ruft eine Kraft auf den Plan, die eine solche Erscheinung bewirkt. Die Antworten entstammen meistens den Gedanken der anwesenden Personen. Sie kommen aus dem unbewussten Mental wie auch aus dem unterschwelligen Mental, das viel mehr Dinge weiß, als die Menschen sich bewusst sind. Die Konzentration der Personen schafft, wie ich sagte, die notwendige Atmosphäre. Echte Fälle des Eingreifens irgendwelcher Geister von außen sind sehr selten. ….  Der Mutter (Mirra Alfassa) sind solche Séancen bekannt. Sie vermochte mit ihrer Kraft einen Tisch durch den ganzen Raum zu rücken. Aber die Idee, dass alle möglichen verstorbenen Personen jahrhundertelang herumhängen und auf Tischerücken reagieren, ist lächerlich und absurd.“

,Briefe über den Yoga‘, Band 2 (ISBN 81-7058-145-1), Seiten 87-88, von Sri Aurobindo:
„Was meinst du mit einem Geist (ghost) ? Das Wort “Geist”, wie es in der Umgangssprache gebraucht wird, umfasst eine große Zahl von bestimmten Phänomenen, die in keinem Zusammenhang miteinander stehen. Einige davon seien hier angeführt:

  1. Ein tatsächlicher Kontakt mit der Seele eines Menschen in seinem feinstofflichen Leib, der auf unser Mental durch das Erscheinen eines Bildes oder das Hören einer Stimme übertragen wird.
  2. Ein mentales Gebilde, das mit Hilfe der Gedanken und Gefühle eines abgeschiedenen Menschenwesens die Atmosphäre einer Stätte oder eines Ortes prägt – es wandert dort umher oder vervielfacht sich, bis es sich schließlich entweder erschöpft oder durch das eine oder andere Mittel aufgelöst wird. Das ist die Erklärung solcher Phänomene wie das verhexte Haus, in denen Vorgänge, die zum Beispiel einen Mord begleiteten oder ihm vorangingen, wieder und wieder stattfinden, und vieler derartiger Erscheinungen mehr.
  3. Ein Wesen der niederen vitalen Ebenen, das entweder die abgeworfene Hülle eines gestorbenen menschlichen Wesens oder aber ein Fragment seiner vitalen Persönlichkeit angenommen hat und in dieser Gestalt erscheint und handelt und vielleicht sogar die oberflächlichen Gedanken und Erinnerungen jener Person hat.
  4. Ein Wesen der niederen vitalen Ebene, das über ein lebendes Menschenwesen oder mit Hilfe eines anderen Instrumentes oder Mittels fähig ist, sich hinreichend zu materialisieren, damit es in einer sichtbaren Form erscheinen und handeln oder mit einer hörbaren Stimme sprechen kann; oder aber, ohne zu erscheinen, stoffliche Dinge bewegt, zum Beispiel Möbel oder Gegenstände materialisiert oder sie von einem Platz zum anderen schiebt. Dies ist es, was man Poltergeister nennt – Erscheinungsformen von Steine werfenden und Bäume bewohnenden bhūtas und andere wohlbekannte Phänomene.
  5. Erscheinungen, die vom eigenen Mental geformt werden und auf die Sinne wie objektive Phänomene wirken.
  6. Vitale Wesen, die zeitweilig von Menschen Besitz ergreifen und manchmal vorgeben, abgeschiedene Verwandte zu sein, usw.
  7. Gedankenbilder, die Menschen zur Zeit des Todes häufig von sich projizieren und die in diesem Augenblick oder einige Stunden später ihren Freunden oder Verwandten erscheinen.

Du siehst, dass nur in einem dieser Fälle, dem ersten, eine Seele vorkommt, und hier erhebt sich keine Schwierigkeit.“